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Fürsorge und Entschädigung

Bei Entschädigungen, also Geldleistungen für erlittene Schäden und Nachteile, handelt es sich neben der Restitution entzogenen Eigentums um den zweiten zentralen Teilbereich der „Wiedergutmachung“ von NS-Verbrechen. In Österreich vermengte der Gesetzgeber Entschädigungen mit Sozialleistungen und Hilfsmaßnahmen. Das wohl bedeutsamste Gesetz zugunsten von NS-Opfern trägt dementsprechend den Kurztitel Opferfürsorgegesetz (OFG). Das OFG umfasst einerseits Entschädigungen (etwa für Haft, Einkommens- oder Ausbildungsschäden) und andererseits Fürsorgeleistungen (wie Unterhaltsrenten und Beihilfen). Zu den besonders wichtigen gesetzlichen Maßnahmen in diesem Bereich zählen weiters das Hilfsfondsgesetz aus 1956, die Gesetze zu den Sammelstellen für „erbloses“ Vermögen (1957 und 1962), das Kriegs- und Verfolgungssachschädengesetz (1958), der Abgeltungsfonds (1961), der Nationalfonds (1995) und das Entschädigungsfondsgesetz (2001).

Die IKG Wien bemühte sich als politische Akteurin um die Novellierung bestehender bzw. die Schaffung neuer Gesetze und leistete als Opfervertretung Unterstützung bei der Beantragung von Leistungen. Nach der Befreiung 1945 wurde für diese Zwecke ein eigenes Wiedergutmachungsreferat geschaffen. Später wurde in der Fürsorgeabteilung eine Beratungsstelle in Angelegenheiten des Opferfürsorgegesetzes eingerichtet, die Gemeindemitglieder bei Anträgen nach dem OFG und in Sachen der „Wiedergutmachung“ in der Sozialversicherung betreute. Da der Umfang dieser Beratungstätigkeiten für die Fürsorgeabteilung nicht mehr zu bewältigen war, nahm zu Jahresbeginn 1955 die Abteilung Opferfürsorge ihre Arbeit auf. Mit der Schaffung des Nationalfonds und des Mauerbach-Fonds Mitte der 1990er Jahre intensivierte die IKG Wien erneut ihre Tätigkeit als Interessensvertretung von NS-Opfern und ihren Hinterbliebenen. Dies fand seinen Niederschlag in der Begründung der von 1999 bis 2009 bestehenden Anlaufstelle für Jüdische NS-Verfolgte in und aus Österreich und deren Nachkommen, die sich u.a. der Beratung von KlientInnen in Entschädigungsfragen widmete.

Im Archiv der IKG Wien werden tausende personenbezogene Akten zu Verfahren nach dem Opferfürsorgegesetz und dem Kriegs- und Verfolgungssachschädengesetz sowie zur Erlangung von sog. Begünstigungen in der Sozialversicherung aufbewahrt. Erwähnenswert ist weiters die Kartei zum sog. Alten Hilfsfonds aus 1956, aus dem Zahlungen an NS-Opfer aus Österreich geleistet wurden, die im Ausland lebten. Zu den Sammelstellen, den diversen Hilfsfonds und zum Abgeltungsfonds liegen lediglich Einzelakten vor.

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Opferfürsorgegesetz

Das Bundesgesetz über die Fürsorge für die Opfer des Kampfes um ein freies, demokratisches Österreich und die Opfer politischer Verfolgung (Opferfürsorgegesetz, OFG) zählt zu den zentralen Maßnahmen der Republik Österreich zugunsten österreichischer NS-Opfer und ihrer Hinterbliebenen. Seit dem Beschluss der Stammfassung des OFG im Jahr 1947 nahm der Gesetzgeber rund 100 Änderungen daran vor. Das OFG sieht Leistungen für Personen vor, die ihre Zugehörigkeit zu einer gesetzlich anerkannten Opfergruppe (bzw. ihre Hinterbliebeneneigenschaft) sowie ein bestimmtes verfolgungsbedingtes Schädigungsausmaß nachweisen können. Es handelt sich hierbei einerseits um Entschädigungen für erlittene Schädigungen und Nachteile (wie etwa pauschale Geldleistungen für Haft, Einkommensschäden, etc.) und andererseits um Fürsorgeleistungen zur Milderung sozialer Notlagen.

Die IKG Wien setzte sich seit der Verabschiedung des ersten OFG im Juli 1945, das durch das OFG 1947 ersetzt wurde, für die Interessen der jüdischen Opfer und ihrer Angehörigen sowie die Verbesserung des Gesetzes ein. Sie war wesentlicher Motor der zahlreichen Novellierungen des OFG, die aus einem reinen Fürsorgegesetz schließlich ein Gesetz mit Entschädigungscharakter machten. Stellen der IKG Wien wie das bereits 1945 eingerichtete Wiedergutmachungsreferat, vor allem aber die 1955 eingerichtete Abteilung Opferfürsorge, boten Juden und Jüdinnen im In- und Ausland Hilfestellung und Beratung bei der Antragstellung gemäß OFG an. Die Abteilung Opferfürsorge betreute – im Verbund mit österreichischen Rechtsanwälten und der United Restitution Organization (URO) – tausende Personen im Rahmen ihrer OF-Verfahren.

Im Archiv der IKG Wien befinden sich 283 Kartons mit rund 7.200 OF-Akten, die zwischen 1952 und 1966 angelegt wurden. Eine alphabetische Kartei erschließt den Aktenbestand. Die Akten enthalten Korrespondenz, Bescheide, Berufungen und Beweismittel aus den OF-Verfahren sowie personenbezogene Informationen zu den Antragstellenden.

Ergänzt wird dieser Bestand durch Akten mit Beweismitteln, die in den OF-Verfahren Verwendung fanden, wie etwa hunderte Bescheinigungen über das erzwungene Tragen von Judensternen oder die über 1.900 Akten umfassende Serie der Todeserklärungen. Bei letzteren handelt es sich um Akten zu Verfahren beim Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen, die durch Hinterbliebene von Shoa-Opfern angestrengt wurden, um den Tod ihrer deportierten und nicht zurückgekehrten Verwandten gerichtlich feststellen zu lassen. Unterstützung erhielten sie dabei von der IKG Wien, die als Vertreterin der Antragstellenden fungierte. Die Akten zu den Todeserklärungen enthalten u.a. personenbezogene Informationen zu den Opfern und den Hinterbliebenen sowie Auskünfte internationaler Suchdienste zu den Verschollenen.

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Kriegs- und Verfolgungssachschädengesetz

Auf der Grundlage des 1958 beschlossenen Kriegs- und Verfolgungssachschädengesetzes (KVSG) konnten Anträge auf Gewährung von Entschädigung für Sachschäden an Hausrat und zur Berufsausübung erforderlichen Gegenständen gestellt werden, die aufgrund von Vermögensentzug, Verlust oder Zerstörung durch Kriegseinwirkung oder politische Verfolgung entstanden waren. Das Ausmaß der Schädigung wurde über ein Punktesystem berechnet, so wurde beispielsweise eine Couch mit 160 Punkten, ein Backrohr mit 70 Punkten und eine Wolldecke mit 20 Punkten bewertet. Bei der Entschädigung handelte es sich um einen teilweisen, gedeckelten Geldersatz, auf den andere Leistungen (z.B. aus dem Hilfsfonds) angerechnet wurden und dessen Auszahlung von einer Einkommensgrenze abhängig war.

Die IKG Wien hatte jahrelang Entschädigungen für Möbel, Berufsinventar u.ä. gefordert. In Zusammenarbeit mit den internationalen Büros der United Restitution Organization (URO) unterstützte die Opferfürsorgeabteilung der IKG Wien tausende im Ausland lebende Jüdinnen und Juden bei der Antragstellung nach dem KVSG. Im Archiv der IKG Wien werden 231 Kartons mit über 4.000 KVSG-Akten aufbewahrt. Die numerisch geordneten Verfahrensakten enthalten personenbezogene Informationen zu den Antragstellenden und detaillierte Angaben zu ihrem Eigentum, das sie durch die NS-Verfolgung (Vermögensentzug) und fallweise durch Kriegseinwirkung verloren hatten. Der Bestand wird durch eine alphabetisch und eine numerisch sortierte Kartei erschlossen.

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Begünstigungen in der Pensionsversicherung

Der Grundgedanke der „Wiedergutmachung“ in der Sozialversicherung ist der Ausgleich von im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung verlorenen Anwartschaften und erlittenen materiellen Nachteilen, die sich auf die Pensionsansprüche der Betroffenen auswirkten. Im Sozialversicherungs-Überleitungsgesetz 1947, im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz 1956 und in zahlreichen Novellen dieser Gesetze wurden sog. Begünstigungen verankert, die unter bestimmten Voraussetzungen für den erwähnten Ausgleich sorgen sollten.

Die IKG Wien unterstützte in den 1950er und 1960er Jahren tausende jüdische NS-Opfer und deren Hinterbliebene bei ihren Anträgen an die Angestelltenversicherungsanstalt (AVA) bzw. die Pensionsversicherungsanstalt der Angestellten (später auch an die Pensionsversicherungsanstalt der Arbeiter). Die sog. AVA-Akten wurden von der Abteilung Opferfürsorge geführt, die Betreuung der Antragstellenden im Rahmen der Begünstigungsverfahren übernahmen die weltweit gegründeten Büros der United Restitution Organization (URO) und ein Wiener Rechtsanwalt in Kooperation mit der IKG Wien.

Im Archiv der IKG werden über 1.500 personenbezogene AVA-Akten aufbewahrt (49 Kartons). Die Akten wurden zwischen 1954 und 1965 angelegt und sind numerisch geordnet. Sie enthalten Korrespondenz, mitunter auch Anträge, Bescheide und Berufungen, betreffend die Verfahren zur Erlangung von Begünstigungen im Hinblick auf Beitragszeiten in der Pensionsversicherung und damit Informationen zu Flucht und Haft, beruflichen Werdegängen, Einkommen und Lebenssituation der Antragstellenden.

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„Alter Hilfsfonds“

Ein Ergebnis der jahrelangen Verhandlungen zwischen der österreichischen Bundesregierung und dem Committee for Jewish Claims on Austria, dem sich auch die Israelitische Kultusgemeinde Wien angeschlossen hatte, war der gesetzliche Beschluss des Fonds zur Hilfestellung an politisch Verfolgte, die ihren Wohnsitz und ständigen Aufenthalt im Ausland haben im Jahr 1956. Der mit 550 Millionen Schilling dotierte Hilfsfonds sollte insbesondere jenen jüdischen Vertriebenen zugutekommen, die nicht nach Österreich zurückgekehrt waren. Der Fonds schloss seine Auszahlungen 1962 ab und wurde nach seiner neuerlichen Aufstockung gemäß dem Kreuznacher Abkommen zwischen Österreich und der BRD als „Neuer Hilfsfonds“ bis in die 1970er Jahre weitergeführt. Der ursprünglich eingerichtete Fonds wird daher als „Alter Hilfsfonds“ bezeichnet.

Im Jahr 1969 übergab Hilfsfonds-Leiter Dr. Georg Weis der IKG Wien eine Kartei zum „Alten Hilfsfonds“, genannt „Wiener Kartei“. Diese Kartei im Umfang von 123 Ordnern ist, ausgehend von der letzten Wohnadresse der Antragstellenden im Jahr 1938, nach Bundesländern bzw. Wiener Bezirken geordnet. Sie enthält Daten zu über 30.000 Personen, unter anderem Namen, Geburtsdaten und -orte sowie Wohnadressen. Der dazugehörige Aktenbestand und eine weitere, alphabetisch geordnete, Kartei der Antragstellenden werden im Österreichischen Staatsarchiv, Archiv der Republik, verwahrt. Im Archiv der IKG Wien befinden sich nur einzelne Akten zu den beiden Hilfsfonds.

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  1. So verwenden sie die Zeitleiste

    Die Punkte auf der Zeitleiste stellen historisch wichtige Ereignisse des Archivs der Kultusgemeinde Wien dar und geben Ihnen einen Überblick über die zeitliche Einordnung des unten dargestellten Exponats. Durch den Klick auf einen der Punkte erhalten Sie mehr Informationen.

  2. 2. Jänner 1782

    Toleranzpatent Josephs II. .

    Das Toleranzpatent für die Juden in Wien und in Niederösterreich ermöglichte einzelnen jüdischen Familien unter Abgabe eines Zinses, sich in Wien anzusiedeln, bestimmten Gewerben nachzugehen und ihren Glauben im Privaten auszuüben sowie ihren Kindern Religionsunterricht erteilen zu lassen.

  3. Begründung der Gemeindebibliothek.

    Der Buchdrucker Anton Schmid, der eine Lizenz zum Drucken hebräischer Werke hatte, welche durch die Zensur streng begutachtet wurden, überließ den Wiener Juden aus Dankbarkeit für zahlreiche Aufträge 133 Drucke. Diese bildeten den Grundstock der bis heute bestehenden Gemeindebibliothek.

    1814 bis 1815

    Wiener Kongress.

    Durch den Einfluss des Code Civil kamen die Juden in Europa der Gleichstellung näher. Bei der Reorganisation waren die Juden im Habsburgerreich dem Kaiser gegenüber loyal, sie hofften auf weitere Fortschritte. Jedoch wurden mit dem Scheitern der Demokratisierung die Zugeständnisse eingeschränkt.

  4. 30. Juni 1816

    Gründung des Wiener Jüdischen Archivs .

    Aufgrund wiederholter Unstimmigkeiten betreffs Gültigkeit von Erlässen, welche die Rechte und Pflichten der ortsansässigen Juden regelten, beschlossen am 30. Juni 1816 die Vertreter der Wiener Judenschaft, ihre Aktenstücke durch einen Aktuar zu sammeln und aufzubewahren.

  5. 12. Dezember 1825

    Grundsteinlegung des Wiener Stadttempels.

    Die Grundsteinlegung des Wiener Stadttempels am 12. Dezember 1825 erfolgte durch Rabbiner Isak Noa Mannheimer. Die Synagoge wurde nach den Plänen von Josef Kornhäusel errichtet und den damaligen Bauvorschriften folgend, von außen nicht sichtbar in ein Wohnhaus integriert.

    Einführung des Wiener Ritus .

    Mannheimer und Sulzer waren mit Krisen zwischen Orthodoxie und Reformern konfrontiert. Die Spaltung der Gemeinde konnte durch eine Gottesdienstordnung, die hebräische Gebete, deutsche Predigten sowie den Verzicht auf die beliebte Orgel, aber die Einführung eines Chors vorsah, verhindert werden.

  6. 9. April 1826

    Einweihung des Wiener Stadttempels.

    Mit der Errichtung des Stadttempels in der Seitenstettengasse im ersten Wiener Bezirk gelang es den Wiener Juden erstmals seit der Vertreibung 1670, wieder ein geistiges und religiöses Zentrum zu errichten. Als erster Rabbiner wirkte hier Isak Noa Mannheimer, als erster Kantor Salomon Sulzer.

  7. 31. Oktober 1827

    Erste Registratur-Verordnung.

    Unter dem Aktuar Josef Veith wurde eine Ausführungsverordnung für die Archiv-Registratur beschlossen, die beinhaltete, dass zu jeder Archivalie ein Regest erstellt werden solle. Außerdem wurde er angewiesen, für das bisher gesammelte Archivgut einen Schrank zu erwerben.

  8. Ludwig August Frankl wird Aktuar.

    Ab den 1840er Jahren verlieh Ludwig August Frankl von Hochwart der Registratur „Archivcharakter“ und verbrachte die Archivalien nach 1020 Wien, Czerningasse 4. Die Akten wurden nach Herkunft geordnet und katalogisiert. Dies betraf 22 Stücke von 1626 bis 1805 und rund 10.000 aus der Zeit ab 1806.

  9. Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien .

    In Folge der bürgerlichen Revolution 1848 kam es 1849 zu einer Begegnung mit dem Kaiser, in der die Gemeindegründung beschlossen wurde. 1852 wurden ihre provisorischen Statuten genehmigt. Damit gewann die Institution ihre Autonomie zur Regelung ihrer politischen Angelegenheiten und in Kultusfragen.

  10. 1857 bis 1910

    Hungersnöte in Galizien.

    Aufgrund schwerer Hungersnöte wanderten große Teile der Bevölkerung Galiziens aus. Viele galizische Juden zogen nach Wien. Wegen verschiedener ritueller Traditionen führte dies einerseits zu Spannungen in der Gemeinde, andererseits zu einer verstärkten internen kulturellen Auseinandersetzung.

  11. 21. Dezember 1867

    Staatsgrundgesetz (RGBl. 142/1867) .

    Das „Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“ verlieh den Juden erstmals das Recht, ihren Aufenthaltsort im Habsburgerreich frei zu wählen, die ungehinderte Religionsausübung und sorgte für gesetzliche Gleichstellung.

  12. 10. Juli 1868

    Eigenständige Matrikenführung der IKG Wien.

    Per Gesetz betreffend die Beweiskraft der Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der Israeliten (RGBl. Nr. 12/1869) wurde die eigenständige Matrikenführung staatlich anerkannt. Ab diesem Zeitpunkt führten staatlich beeidete Matrikenführer die Personenstandsbücher. Diese werden bis heute fortgeführt.

  13. Kultusstreit zwischen Orthodoxen und Liberalen in der IKG Wien.

    Nach Annahme einer Reform des Kultus durch liberal fortschrittliche Kräfte unter der Führung Ignaz Kurandas kam es zum Kultusstreit. Die Orthodoxen unter der Führung Rabbiners Salomon Spitzer wollten aus der Gemeinde ausscheiden. Durch Kompromisse konnte die Spaltung der Gemeinde verhindert werden.

  14. 1881 bis 1906

    Pogrome in Russland.

    In Russland fanden verheerende Pogrome an der jüdischen Bevölkerung statt. Die IKG Wien beteiligte sich an Hilfsaktionen für die Opfer und Flüchtigen sowie an Protestaktionen gegen die von den russischen Geheimdiensten gesteuerten Gewalttaten.

  15. 21. März 1890

    Israelitengesetz.

    Mit dem „Gesetz betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft“ wurde ein Gesetz geschaffen, welches das Verhältnis der verschiedenen, nach geographischen Gebieten eingeteilten Kultusgemeinden zum Staat auf eine einheitliche Rechtsgrundlage stellte.

  16. 15. Oktober 1893

    Eröffnung der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt.

    Nach 15-jähriger Vorbereitung wurde die Israelitisch-Theologische Lehranstalt Wien nach Vorbild des Jüdisch-Theologischen Seminars Breslau eröffnet. Eine wissenschaftliche Rabbiner- und Religionslehrerausbildung sollte etabliert werden. Ziel war die Qualitätssicherung des Religionsunterrichts.

  17. 1. November 1895

    Eröffnung des ersten Jüdischen Museums Wien.

    Nach 15-jähriger Vorbereitung wurde die Israelitisch-Theologische Lehranstalt Wien nach Vorbild des Jüdisch-Theologischen Seminars Breslau eröffnet. Eine wissenschaftliche Rabbiner- und Religionslehrerausbildung sollte etabliert werden. Ziel war die Qualitätssicherung des Religionsunterrichts.

  18. 1900er

    Siegmund Husserl .

    Siegmund Husserl führte erstmalig eine wissenschaftliche Archivverwaltung mit parallel geführter Registratur ein und entwickelte weitere Pläne für die Entwicklung und Vernetzung des Archivs. Seine Idee eines Zentralarchivs der österreichischen jüdischen Kultusgemeinden wurde nicht verwirklicht.

  19. 1914 bis 1918

    Das Archiv im Ersten Weltkrieg.

    Unter Archivar Samuel Pinkas sollten eine Archivordnung und eine Kanzleiregistratur erstellt werden. Durch den Ersten Weltkrieg konnten diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Beschreibungen des Historikers Alfred F. Přibram zufolge herrschten zu Ende des Krieges im Archiv chaotische Zustände.

  20. Reorganisation des Archivs.

    Unter der Leitung des Archivars Saul Chajes erfolgte eine Umstrukturierung des Archivs. Er beschloss eine chronologische Ordnung der Akten bis 1860, ein Einteilung nach Jahrgängen und Exhibitenzahlen für Akten bis 1926 und parallel dazu die Katalogisierung nach Schlagworten, Orts- und Personennamen.

  21. 12. März 1938

    „Anschluss“ .

    Der „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistisch regierte Deutschland, eine von weiten Teilen der österreichischen Bevölkerung begrüßte Annexion, führte zur Aufgabe der staatlichen Souveränität und ebnete den Weg zur Verfolgung und Ermordung auch der österreichischen Juden.

    Anfang Mai 1938

    Wiedereröffnung der IKG .

    Nach dem „Anschluss“ wurde die IKG zunächst geschlossen und Anfang Mai wiedereröffnet. Sie musste unter Kontrolle der NS-Verwaltung und der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ zwangsweise die Vertreibung der Gemeindemitglieder und ab 1941 die Deportation organisieren.

    Juli 1938

    NS-Kontrolle des Archivbetriebs.

    Die erzwungene Umstrukturierung der IKG verursachte eine Flut von Akten, die im Archiv nicht mehr methodisch abgelegt werden konnten. Die Gestapo beschlagnahmte zudem einen Teil der Archivalien und brachte ihn nach Berlin ins Reichssicherheitshauptamt zur rassenideologischen Auswertung.

    9. November 1938

    Novemberpogrome.

    In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 wurden alle Wiener Synagogen und Bethäuser außer dem Stadttempel zerstört, da er sich in einem Wohnhaus befindet. Geschäfte wurden geplündert, über 6.000 Juden wurden verhaftet und viele ins Konzentrationslager Dachau verschleppt

  22. 1. September 1939 bis 8. Mai 1945

    Archiv im Zweiten Weltkrieg.

    Mit dem deutschen Angriff auf Polen begann der Zweite Weltkrieg. Da 1943 Bombenangriffe auf Berlin zunahmen, bargen die NS-Behörden die konfiszierten jüdischen Wiener Archivalien in Schlesien. Von dort verbrachte die Rote Armee 1945 sie als „Beuteakten“ nach Moskau.

    20. Oktober 1939

    Deportation nach Nisko am San.

    Ende 1939 befahl Adolf Eichmann erste Deportationen österreichischer Juden ins neu besetzte Polen. In Nisko sollte ein sogenanntes Judenreservat entstehen, ein Konzentrationslager. Aufgrund unzulänglicher Verkehrswege und kriegsbedingt beanspruchter Transportmittel wurde das Lager 1940 aufgegeben.

  23. Herbst 1941

    Kennzeichnungspflicht und Ausreiseverbot für Juden .

    Am 19. September 1941 trat die sogenannte Judensternverordnung in Kraft, die Kennzeichnungspflicht für Juden. Ab dem 23. Oktober 1941 war die Ausreise aus deutschen Reichsgebieten für Juden verboten. Beide Maßnahmen dienten der Vorbereitung der endgültigen Vernichtung.

  24. Februar 1942

    Beginn der Deportationen - „Endlösung der Judenfrage“.

    Im September 1941 wurde mit der Ermordung noch nicht aus dem Einflussgebiet der Nationalsozialisten geflohener Juden begonnen. Den Deportationen und Tötungen waren Jahre der Verfolgung vorausgegangen. Ab Februar 1942 wurden die letzten in Wien verbliebenen Juden in Konzentrationslager verschleppt.

  25. 1. Dezember 1943

    Deportation Leopold Moses.

    Leopold Moses, der letzte Archivar des IKG-Archivs vor der Wiederbegründung 2009, wurde am 14. Oktober 1943 verhaftet und am 1. Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nach dem Ende seiner Tätigkeit war das Archiv der IKG Wien de facto nicht mehr existent.

  26. 8. Mai 1945

    Kapitulation NS-Deutschlands.

    Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Damit wurden Deutschland und die in der Zeit von 1938 bis 1945 besetzten Gebiete von nationalsozialistischer Herrschaft befreit und die rassistische Gesetzgebung aufgehoben.

    8. Mai 1945

    Wiederbegründung der IKG nach der NS-Zeit.

    1945 wurde die IKG wiederbegründet, die erste Wahl des Kultusvorstandes fand im April 1946 statt. Die IKG stand infolge vor der Herausforderung, nach Wien zurückkehrenden Juden, KZ-Überlebenden und Angehörigen der 65.000 im Holocaust Ermordeten zu helfen und Opferentschädigungen voranzutreiben.

  27. Leihweise Übergabe von Archivalien nach Jerusalem .

    Alex Bein, Direktor des Zionistischen Archivs, schlug 1949 vor, die nach 1945 in desolatem Zustand befindlichen Archivalien nach Jerusalem zu bringen. Die IKG stimmte 1951 zu. Die Central Archives (vormals General Archives) erhielten in vier Tranchen (zuletzt 1978) Archivmaterial als Leihgabe.

  28. 15. Mai 1955

    Staatsvertrag.

    Zehn Jahre nach Kriegsende und 17 Jahre nach dem „Anschluss“ erhielt Österreich seine Souveränität zurück. Damit wurde aber auch der Mythos des „ersten Opfers der Nationalsozialisten“ besiegelt, für viele Österreicher ein Anlass, die Teilverantwortung für die Judenverfolgung von sich zu weisen.

  29. 1970er

    Erstellung des „Hodik-Inventars“.

    Avshalom Hodik erstellte in den 1970er Jahren ein Findmittel der den Central Archives in Jerusalem (vormals General Archives) leihweise übergebenen Archivalien der Wiener Jüdischen Gemeinde sowie 1979 einen Abschlussbericht zum Archiv der IKG Wien. Dieses Findmittel umfasst 432 Seiten.

  30. Auffindung des Archivs im Keller des Stadttempels.

    1986 entdeckte der damalige Sicherheitsbeauftragte Ernst Meir Stern im Zuge von Renovierungsarbeiten im Keller unterhalb der Synagoge in der Seitenstettengasse „verschollenes“ Archivmaterial. Es wurde wegen der Umbauten außer Haus gebracht. Danach geriet es jedoch wieder in Vergessenheit.

  31. Wiederauffindung des Wiener Archivs in der Herklotzgasse.

    Auf Initiative des damaligen Präsidenten der IKG, Ariel Muzicant, und der Exekutivdirektorin des Präsidiums, Erika Jakubovits, wurde ab 1998 nach verbliebenen Archivalien gesucht. Im Jahr 2000 wurden umfassende Bestände (800 Kartons) in einem Haus der IKG in der Herklotzgasse in 1150 Wien gefunden.

  32. Gründung der Abteilung Archiv in der IKG Wien.

    Mehr als 70 Jahre nach der Auflösung durch die Nationalsozialisten wurde im Jänner 2009 das Archiv als eigene Abteilung der IKG Wien wieder begründet und damit dessen Bedeutung für die Kultusgemeinde unterstrichen.

  33. Archivsanierung.

    Die Räumlichkeiten des IKG-Archivs wurden einer grundlegenden Sanierung unterzogen. Entsprechend modernen Archivstandards wurden Brandschutz, Klimaanlage und Lüftung eingerichtet. Damit ist sichergestellt, dass das gesamte historische Aktenmaterial fachgerecht gelagert ist.

  34. 22. November 2016

    200-jähriges Jubiläum Archiv der IKG Wien.

    Zum 200-jährigen Jubiläum des Archivs fand erstmals ein Tag der offenen Tür statt. Die Zugänglichkeit zum Archiv für wissenschaftliche und private Forschung ist seither möglich. Eine Festschrift sowie eine Website wurden im Zuge der Feierlichkeiten vorgestellt.