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Die Bibliothek der IKG Wien bis 1939

Die Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gehört zu den ersten jüdischen Gemeindebibliotheken im wissenschaftlichen Sinne in Europa. Lange vor der eigentlichen Gründung der Gemeinde im Jahr 1852 gab es bereits einen kleinen Bestand. Der Buchdrucker Anton Schmidt hatte 1814 als Dank an die jüdische Leserschaft in Wien 133 hebräische Drucke für das Bethaus im Dempfingerhof gespendet. Bis 1850 kamen 50 Bände aus Privateigentum und einige hebräische  Bücher, die zuvor der obersten Polizeibehörde für die Zensur gedient hatten, hinzu. Im Jahr 1859 besaß die Bibliothek 514 Bücher, 1873 bereits 2000 Bände. 1885 war der Besitz auf 8000 Exemplare angestiegen. 1857 stellte die Gemeinde Samuel Hammerschlag als Bibliothekar ein, er blieb bis zu seinem Tode 1903 auf dem Posten. In dieser Zeit wurde die Bibliothek öffentlich zugänglich gemacht und ein Katalog erstellt. 1872 gelang es dem Gemeindepräsidenten Ignaz Kuranda, Bibliotheksnachlässe jüdischer Wissenschaftler zu lukrieren. Das führte 1880 zu Platzproblemen. Ein zweites Zimmer kam hinzu und damit Raum für einen Präsenzarbeitsplatz. Zuvor konnten ausschließlich Entlehnungen außer Haus vorgenommen werden.

 

 

Aber schon 1893 war auch der zweite Raum zu klein geworden. Die inzwischen 10.000 Bände standen den Lesern und Leserinnen 11 ½ Stunden in der Woche zwischen Montag und Donnerstag zur Verfügung. Hammerschlags Nachfolger, Bernhard Münz, von 1903 bis 1919 im Amt, und Bernhard Wachstein, der ebenfalls bereits 1903 für die Bibliothek arbeitete, erweiterten die Bibliothek stetig. Wachstein war bis 1935 Bibliotheksleiter. Mit ihm begann die bibliothekswissenschaftliche Erfassung. Somit stiegen abermals die Erfordernisse und die Räumlichkeiten in der Seitenstettengasse, wo die Bibliothek bis 1906 untergebracht war, wurden wieder zu eng. Es kam zum Umzug in die Ferdinandstr. 23 im II. Wiener Gemeindebezirk. Dort bestand die Bibliothek bis zu ihrer Zwangsauflösung 1938.

 

Zur Größe des Bestandes zu Zeiten seiner Auflösung gibt es keine genauen Angaben mehr. Moses Rath, Bibliothekar von 1935 bis 1938, verfasste 1945 einen Gedächtnisbericht. Darin steht, dass die Bibliothek über 33.800 gedruckte Bände und etwa 3000 Zeitschriften umfasst habe, Handschriften und Inkunabeln nicht gezählt. Zudem ist hier auch ein von Wachstein erstellter Karteikatalog mit über 400.000 Karten erwähnt, der ebenfalls verschollen ist. Rath selbst war zur Zeit der Entziehung bereits im Exil, er konnte die Umstände nicht aus eigener Beobachtung beschreiben. Nach seinem Weggang wurde der Archivar der Gemeinde, Leopold Moses, auch für die Bibliothek eingesetzt. Er erhielt den Befehl zur Abwicklung, nachdem Adolf Eichmann als Referent des SD am 19.Juli 1938 die IKG zur Verzichtserklärung gezwungen hatte. Seit dem „Anschluss“ war die Bibliothek geschlossen, nach der Beschlagnahme wurde sie kurz wieder geöffnet, um verliehene Bücher einzutreiben. Eichmann plante, den Bestand komplett zur „Erforschung des Judentums“ an das Reichssicherheitshauptamt in Berlin zu senden. Am 24. Februar 1939 erhielt Moses den Auftrag, in acht Tagen ein Bestandsverzeichnis zu erstellen. Inzwischen war die Bibliothek wieder versiegelt worden und er brauchte für jeden Zugang eine Genehmigung.
Dem 1955 entstandenen Bericht Abraham Singers zufolge wurde die Bibliothek in ca. 250 Kisten verpackt und auf Lastwagen abtransportiert. Das genaue Ziel lässt sich nicht rekonstruieren, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Bestände ausschließlich nach Berlin ans RSHA gelangten, wenngleich Vieles dort gewesen sein muss, da über das seitens der US-Militärverwaltung eingerichteten Offenbach Archival Depots (OAD) 2484 Bände aus der Gemeindebibliothek nach Wien restituiert wurden. Das OAD selbst berichtete von 2453 Bänden.
Offenbar ließ sich 1946 nicht mehr feststellen, ob noch mehr Bestände aus der Gemeindebibliothek den Brand des RSHA 1943 überstanden hatten, da auch zuvor schon nicht mehr nachvollziehbare Teilungen stattgefunden hatten und etliche Bände an verschiedene Ausweichstellen des RSHA geschickt worden waren. Ferner legen Restitutionen aus anderen Institutionen nah, dass schon 1939 nicht die komplette Bibliothek nach Berlin verbracht wurde.

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Die Israelitisch-Theologische Lehranstalt (ITLA) in Wien (1893-1938)

Im Jahr 1867 wurde beschlossen, eine Israelitisch-Theologische Lehranstalt nach dem Vorbild des Jüdisch-Theologischen Seminars in Breslau zu gründen. Dort sollte eine wissenschaftliche Rabbiner- und Religionslehrerausbildung etabliert werden. Der Unterrichtskanon bestand aus geisteswissenschaftlichen, pädagogischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Fächern.
Bis zur tatsächlichen Gründung bestand Uneinigkeit über die Finanzierung und die Struktur der Verwaltung. Bereits 1868 waren die Schul- und Kultursektionen der IKG Wien beauftragt worden, ein Gründungskomitee zu berufen, um alle Fragen abschließend zu klären und für das Semester 1871/72 die Eröffnung vorzubereiten. In dieses Komitee wurden die Oberrabbiner Adolf Jellinek und Moritz Güdemann und aus dem Bet Hamidrasch in Wien Isaak Hirsch Weiss, Maximilian Engel, ferner Leopold Kompert und Josef Ritter von Wertheimer berufen.

 

Trotz der fortgeschrittenen Planung und der Bereitschaft des Unterrichtsministeriums, drei Fünftel der Finanzierung zu übernehmen, sollte aus Spenden und Mitteln des Bet Hamidrasch der Rest bezahlt werden, dauerte es noch bis 1893, die Israelitisch-Theologische Lehranstalt zu eröffnen.
Wilhelm und David von Gutmann und Moritz von Königswarter sorgten mit jeweils 50.000 Gulden für eine Anschubfinanzierung, Baron Albert von Rothschild spendete weitere 100.000 Gulden. Dadurch war die Finanzierung für die ersten vier Jahre gesichert. Für die weitere Subvention waren die österreichische Regierung, die Kultusgemeinden von Wien, Prag und Lemberg sowie die Landesjudenschaft von Böhmen zuständig. Mit der Verwaltung und der Aufsicht wurde ein Kuratorium aus fünfzehn Mitgliedern betraut. Dieses Vorstandskomitee gründete sich als „Verein zur Errichtung und Erhaltung der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien“.

Die wissenschaftliche Leitung lag bei den Lehrern der Anstalt. Nach langen Überlegungen wurden die Lehrer Adolf Schwarz, David Heinrich Müller und Adolf Büchler berufen. Schwarz wurde Direktor und blieb bis zu seinem Tod 1931 im Amt. Als Grundstock für die Lehrmittel kaufte die Lehranstalt die Bibliothek Adolph Jellineks an. Die Österreichisch-Israelitische Union, eine weitere an der Gründung der ITLA beteiligte Institution, baute die Bibliothek weiter aus.
In den Jahren 1907 und 1908 kamen die Lehrer Samuel Krauss und Viktor Aptowitzer an die Anstalt, bis in die 1930er Jahre blieb das Kollegium unter Adolf Schwarz so bestehen. Erst nach 1932 wurden Alexander Kristianpoller, Israel Taglicht und Benjamin Murmelstein (1934) berufen.
Nach 1918 kam es zu weiteren finanziellen Konflikten, da durch den Verlust der Gemeinden Galiziens und Prag die Finanzierung allein aus Wien kommen musste und die Republik sich nicht verpflichtet sah, die Verträge des Kaiserhauses weiterzuführen. De facto war schon seit 1914 die staatliche Subvention weggefallen. Die Kultusgemeinde musste einspringen, die Lehrer verarmten, obwohl verschiedentlich Sammlungen unter den Alumni und in den USA eingeholt wurden. Um die Schwierigkeiten zu mildern, bot die IKG mietfrei Räumlichkeiten an. Außerdem erwarb sie nach einigen Verhandlungen die Handschriften der Bibliothek für die Kultusgemeinde.
Nach dem Tode Schwarz‘ kam es zum endgültigen finanziellen Fiasko, 1931/32 wurden keine neuen Hörer mehr aufgenommen. Mit kaum ausreichender Unterstützung von amerikanischen Institutionen wie dem JOINT, gelang es der IKG dennoch, die Israelitisch-theologische Lehranstalt bis zu ihrer zwangsweisen Schließung 1938 nach dem „Anschluss“ aufrecht zu halten. Die Hauptlast lag bei der Kultusgemeinde, wenngleich die Lehrer auf Teile ihrer Bezüge verzichteten und ein enormes Arbeitspensum leisteten. Der großen Bedeutung der IKG für die Lehranstalt trägt dennoch schon das Statut des „Vereins zur Errichtung und Erhaltung einer Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien“ Rechnung, in dessen letztem Absatz folgendes festgelegt wurde: „Im Falle einer Auflösung ist das Vereinsvermögen der israelitischen Cultusgemeinde in Wien mit der Widmung zu überantworten, dass diese das Vermögen in abgesonderter Verwaltung nehme und zu einem dem Vereinszweck (§ 1) analogen Zwecke verwende.“
Nach 1945 wurde die Israelitisch-Theologische Lehranstalt nicht wieder eröffnet.

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Das alte Jüdische Museum

Die Geschichte des alten Jüdischen Museums begann mit der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums“. Nach zweijähriger Konstituierungsphase zeigte sich 1895, dass nicht nur gesammelt und konserviert, sondern auch ausgestellt werden sollte. Dazu wurden Räume in der Rathausstraße 13 in Wien gemietet. Am 1.11.1895 eröffnete dort somit das welterste Jüdische Museum. „Ordentliche“ und „stiftende Mitglieder“ der Gesellschaft, die großenteils aus Honoratioren der IKG Wien bestand, begründeten mit Geldbeträgen oder einem Objekt die Sammlung. Die Ausstellungen wurden durch Veranstaltungen und Vorträge sowie wissenschaftliche Aufsätze in den „Mitteilungen der Gesellschaft“, ab 1905 benannt in „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde“ dargestellt. Generell wird ein starker volkskundlicher Fokus in den Anfangsjahren deutlich.

 

Weitere Sammlungsschwerpunkte zur „Monarchie“ oder „Osteuropa“, aber auch die Ritualobjekte zeugen von der Auseinandersetzung mit jüdischer Identität im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Akkulturation und Nostalgie betreffend Formen des traditionell religiösen Lebens in der Vergangenheit. Durch den 14. Zionistenkongress in Wien angeregt, wurden seit 1925 Objekte und Dokumente zum Thema „Zionismus/Palästina“ erworben.
Die Finanzierung gestaltete sich schwierig, nur das Unterrichtsministerium kam (sehr spät) der Bitte um finanzielle Unterstützung nach und in den Jahren von 1927 bis 1931 bewilligte Subventionen. Erst ab 1912 gab es einen Raum für die museumseigene Bibliothek.

1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde das Museum geschlossen. Der Bestand wurde beschlagnahmt und an verschiedene Institutionen überstellt, Weniges verblieb im Besitz der IKG. Jakob Bronner, damaliger Kurator des Museums, musste hierfür eine Inventarliste anfertigen. Es gelang ihm, davon eine Kopie zu erstellen und der Kultusgemeinde heimlich zukommen zu lassen. Sie enthielt 6474 Einträge, war jedoch unvollständig.
Nach der Enteignung wurden einige Objekte zerstört. Viele sind bis heute verschollen. Seit den 1950er Jahren wurden an die Israelitische Kultusgemeinde 3517 Objekte aus der von Bronner erstellten Liste restituiert. Sie bildeten den Grundstock des 1962 von Chaim Mendel Piper initiierten und 1964 eröffneten Museums der Kultusgemeinde in der Ferdinandstraße 23, das jedoch 1967 mangels öffentlicher Wahrnehmung wieder geschlossen wurde. Danach wurde seitens der Kultusgemeinde kein jüdisches Museum mehr eröffnet. Die erhaltenen Objekte befinden sich heute als Dauerleihgabe der IKG im Jüdischen Museum der Stadt Wien.

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  1. So verwenden sie die Zeitleiste

    Die Punkte auf der Zeitleiste stellen historisch wichtige Ereignisse des Archivs der Kultusgemeinde Wien dar und geben Ihnen einen Überblick über die zeitliche Einordnung des unten dargestellten Exponats. Durch den Klick auf einen der Punkte erhalten Sie mehr Informationen.

  2. 2. Jänner 1782

    Toleranzpatent Josephs II. .

    Das Toleranzpatent für die Juden in Wien und in Niederösterreich ermöglichte einzelnen jüdischen Familien unter Abgabe eines Zinses, sich in Wien anzusiedeln, bestimmten Gewerben nachzugehen und ihren Glauben im Privaten auszuüben sowie ihren Kindern Religionsunterricht erteilen zu lassen.

  3. Begründung der Gemeindebibliothek.

    Der Buchdrucker Anton Schmid, der eine Lizenz zum Drucken hebräischer Werke hatte, welche durch die Zensur streng begutachtet wurden, überließ den Wiener Juden aus Dankbarkeit für zahlreiche Aufträge 133 Drucke. Diese bildeten den Grundstock der bis heute bestehenden Gemeindebibliothek.

    1814 bis 1815

    Wiener Kongress.

    Durch den Einfluss des Code Civil kamen die Juden in Europa der Gleichstellung näher. Bei der Reorganisation waren die Juden im Habsburgerreich dem Kaiser gegenüber loyal, sie hofften auf weitere Fortschritte. Jedoch wurden mit dem Scheitern der Demokratisierung die Zugeständnisse eingeschränkt.

  4. 30. Juni 1816

    Gründung des Wiener Jüdischen Archivs .

    Aufgrund wiederholter Unstimmigkeiten betreffs Gültigkeit von Erlässen, welche die Rechte und Pflichten der ortsansässigen Juden regelten, beschlossen am 30. Juni 1816 die Vertreter der Wiener Judenschaft, ihre Aktenstücke durch einen Aktuar zu sammeln und aufzubewahren.

  5. 12. Dezember 1825

    Grundsteinlegung des Wiener Stadttempels.

    Die Grundsteinlegung des Wiener Stadttempels am 12. Dezember 1825 erfolgte durch Rabbiner Isak Noa Mannheimer. Die Synagoge wurde nach den Plänen von Josef Kornhäusel errichtet und den damaligen Bauvorschriften folgend, von außen nicht sichtbar in ein Wohnhaus integriert.

    Einführung des Wiener Ritus .

    Mannheimer und Sulzer waren mit Krisen zwischen Orthodoxie und Reformern konfrontiert. Die Spaltung der Gemeinde konnte durch eine Gottesdienstordnung, die hebräische Gebete, deutsche Predigten sowie den Verzicht auf die beliebte Orgel, aber die Einführung eines Chors vorsah, verhindert werden.

  6. 9. April 1826

    Einweihung des Wiener Stadttempels.

    Mit der Errichtung des Stadttempels in der Seitenstettengasse im ersten Wiener Bezirk gelang es den Wiener Juden erstmals seit der Vertreibung 1670, wieder ein geistiges und religiöses Zentrum zu errichten. Als erster Rabbiner wirkte hier Isak Noa Mannheimer, als erster Kantor Salomon Sulzer.

  7. 31. Oktober 1827

    Erste Registratur-Verordnung.

    Unter dem Aktuar Josef Veith wurde eine Ausführungsverordnung für die Archiv-Registratur beschlossen, die beinhaltete, dass zu jeder Archivalie ein Regest erstellt werden solle. Außerdem wurde er angewiesen, für das bisher gesammelte Archivgut einen Schrank zu erwerben.

  8. Ludwig August Frankl wird Aktuar.

    Ab den 1840er Jahren verlieh Ludwig August Frankl von Hochwart der Registratur „Archivcharakter“ und verbrachte die Archivalien nach 1020 Wien, Czerningasse 4. Die Akten wurden nach Herkunft geordnet und katalogisiert. Dies betraf 22 Stücke von 1626 bis 1805 und rund 10.000 aus der Zeit ab 1806.

  9. Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien .

    In Folge der bürgerlichen Revolution 1848 kam es 1849 zu einer Begegnung mit dem Kaiser, in der die Gemeindegründung beschlossen wurde. 1852 wurden ihre provisorischen Statuten genehmigt. Damit gewann die Institution ihre Autonomie zur Regelung ihrer politischen Angelegenheiten und in Kultusfragen.

  10. 1857 bis 1910

    Hungersnöte in Galizien.

    Aufgrund schwerer Hungersnöte wanderten große Teile der Bevölkerung Galiziens aus. Viele galizische Juden zogen nach Wien. Wegen verschiedener ritueller Traditionen führte dies einerseits zu Spannungen in der Gemeinde, andererseits zu einer verstärkten internen kulturellen Auseinandersetzung.

  11. 21. Dezember 1867

    Staatsgrundgesetz (RGBl. 142/1867) .

    Das „Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“ verlieh den Juden erstmals das Recht, ihren Aufenthaltsort im Habsburgerreich frei zu wählen, die ungehinderte Religionsausübung und sorgte für gesetzliche Gleichstellung.

  12. 10. Juli 1868

    Eigenständige Matrikenführung der IKG Wien.

    Per Gesetz betreffend die Beweiskraft der Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der Israeliten (RGBl. Nr. 12/1869) wurde die eigenständige Matrikenführung staatlich anerkannt. Ab diesem Zeitpunkt führten staatlich beeidete Matrikenführer die Personenstandsbücher. Diese werden bis heute fortgeführt.

  13. Kultusstreit zwischen Orthodoxen und Liberalen in der IKG Wien.

    Nach Annahme einer Reform des Kultus durch liberal fortschrittliche Kräfte unter der Führung Ignaz Kurandas kam es zum Kultusstreit. Die Orthodoxen unter der Führung Rabbiners Salomon Spitzer wollten aus der Gemeinde ausscheiden. Durch Kompromisse konnte die Spaltung der Gemeinde verhindert werden.

  14. 1881 bis 1906

    Pogrome in Russland.

    In Russland fanden verheerende Pogrome an der jüdischen Bevölkerung statt. Die IKG Wien beteiligte sich an Hilfsaktionen für die Opfer und Flüchtigen sowie an Protestaktionen gegen die von den russischen Geheimdiensten gesteuerten Gewalttaten.

  15. 21. März 1890

    Israelitengesetz.

    Mit dem „Gesetz betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft“ wurde ein Gesetz geschaffen, welches das Verhältnis der verschiedenen, nach geographischen Gebieten eingeteilten Kultusgemeinden zum Staat auf eine einheitliche Rechtsgrundlage stellte.

  16. 15. Oktober 1893

    Eröffnung der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt.

    Nach 15-jähriger Vorbereitung wurde die Israelitisch-Theologische Lehranstalt Wien nach Vorbild des Jüdisch-Theologischen Seminars Breslau eröffnet. Eine wissenschaftliche Rabbiner- und Religionslehrerausbildung sollte etabliert werden. Ziel war die Qualitätssicherung des Religionsunterrichts.

  17. 1. November 1895

    Eröffnung des ersten Jüdischen Museums Wien.

    Nach 15-jähriger Vorbereitung wurde die Israelitisch-Theologische Lehranstalt Wien nach Vorbild des Jüdisch-Theologischen Seminars Breslau eröffnet. Eine wissenschaftliche Rabbiner- und Religionslehrerausbildung sollte etabliert werden. Ziel war die Qualitätssicherung des Religionsunterrichts.

  18. 1900er

    Siegmund Husserl .

    Siegmund Husserl führte erstmalig eine wissenschaftliche Archivverwaltung mit parallel geführter Registratur ein und entwickelte weitere Pläne für die Entwicklung und Vernetzung des Archivs. Seine Idee eines Zentralarchivs der österreichischen jüdischen Kultusgemeinden wurde nicht verwirklicht.

  19. 1914 bis 1918

    Das Archiv im Ersten Weltkrieg.

    Unter Archivar Samuel Pinkas sollten eine Archivordnung und eine Kanzleiregistratur erstellt werden. Durch den Ersten Weltkrieg konnten diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Beschreibungen des Historikers Alfred F. Přibram zufolge herrschten zu Ende des Krieges im Archiv chaotische Zustände.

  20. Reorganisation des Archivs.

    Unter der Leitung des Archivars Saul Chajes erfolgte eine Umstrukturierung des Archivs. Er beschloss eine chronologische Ordnung der Akten bis 1860, ein Einteilung nach Jahrgängen und Exhibitenzahlen für Akten bis 1926 und parallel dazu die Katalogisierung nach Schlagworten, Orts- und Personennamen.

  21. 12. März 1938

    „Anschluss“ .

    Der „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistisch regierte Deutschland, eine von weiten Teilen der österreichischen Bevölkerung begrüßte Annexion, führte zur Aufgabe der staatlichen Souveränität und ebnete den Weg zur Verfolgung und Ermordung auch der österreichischen Juden.

    Anfang Mai 1938

    Wiedereröffnung der IKG .

    Nach dem „Anschluss“ wurde die IKG zunächst geschlossen und Anfang Mai wiedereröffnet. Sie musste unter Kontrolle der NS-Verwaltung und der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ zwangsweise die Vertreibung der Gemeindemitglieder und ab 1941 die Deportation organisieren.

    Juli 1938

    NS-Kontrolle des Archivbetriebs.

    Die erzwungene Umstrukturierung der IKG verursachte eine Flut von Akten, die im Archiv nicht mehr methodisch abgelegt werden konnten. Die Gestapo beschlagnahmte zudem einen Teil der Archivalien und brachte ihn nach Berlin ins Reichssicherheitshauptamt zur rassenideologischen Auswertung.

    9. November 1938

    Novemberpogrome.

    In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 wurden alle Wiener Synagogen und Bethäuser außer dem Stadttempel zerstört, da er sich in einem Wohnhaus befindet. Geschäfte wurden geplündert, über 6.000 Juden wurden verhaftet und viele ins Konzentrationslager Dachau verschleppt

  22. 1. September 1939 bis 8. Mai 1945

    Archiv im Zweiten Weltkrieg.

    Mit dem deutschen Angriff auf Polen begann der Zweite Weltkrieg. Da 1943 Bombenangriffe auf Berlin zunahmen, bargen die NS-Behörden die konfiszierten jüdischen Wiener Archivalien in Schlesien. Von dort verbrachte die Rote Armee 1945 sie als „Beuteakten“ nach Moskau.

    20. Oktober 1939

    Deportation nach Nisko am San.

    Ende 1939 befahl Adolf Eichmann erste Deportationen österreichischer Juden ins neu besetzte Polen. In Nisko sollte ein sogenanntes Judenreservat entstehen, ein Konzentrationslager. Aufgrund unzulänglicher Verkehrswege und kriegsbedingt beanspruchter Transportmittel wurde das Lager 1940 aufgegeben.

  23. Herbst 1941

    Kennzeichnungspflicht und Ausreiseverbot für Juden .

    Am 19. September 1941 trat die sogenannte Judensternverordnung in Kraft, die Kennzeichnungspflicht für Juden. Ab dem 23. Oktober 1941 war die Ausreise aus deutschen Reichsgebieten für Juden verboten. Beide Maßnahmen dienten der Vorbereitung der endgültigen Vernichtung.

  24. Februar 1942

    Beginn der Deportationen - „Endlösung der Judenfrage“.

    Im September 1941 wurde mit der Ermordung noch nicht aus dem Einflussgebiet der Nationalsozialisten geflohener Juden begonnen. Den Deportationen und Tötungen waren Jahre der Verfolgung vorausgegangen. Ab Februar 1942 wurden die letzten in Wien verbliebenen Juden in Konzentrationslager verschleppt.

  25. 1. Dezember 1943

    Deportation Leopold Moses.

    Leopold Moses, der letzte Archivar des IKG-Archivs vor der Wiederbegründung 2009, wurde am 14. Oktober 1943 verhaftet und am 1. Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nach dem Ende seiner Tätigkeit war das Archiv der IKG Wien de facto nicht mehr existent.

  26. 8. Mai 1945

    Kapitulation NS-Deutschlands.

    Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Damit wurden Deutschland und die in der Zeit von 1938 bis 1945 besetzten Gebiete von nationalsozialistischer Herrschaft befreit und die rassistische Gesetzgebung aufgehoben.

    8. Mai 1945

    Wiederbegründung der IKG nach der NS-Zeit.

    1945 wurde die IKG wiederbegründet, die erste Wahl des Kultusvorstandes fand im April 1946 statt. Die IKG stand infolge vor der Herausforderung, nach Wien zurückkehrenden Juden, KZ-Überlebenden und Angehörigen der 65.000 im Holocaust Ermordeten zu helfen und Opferentschädigungen voranzutreiben.

  27. Leihweise Übergabe von Archivalien nach Jerusalem .

    Alex Bein, Direktor des Zionistischen Archivs, schlug 1949 vor, die nach 1945 in desolatem Zustand befindlichen Archivalien nach Jerusalem zu bringen. Die IKG stimmte 1951 zu. Die Central Archives (vormals General Archives) erhielten in vier Tranchen (zuletzt 1978) Archivmaterial als Leihgabe.

  28. 15. Mai 1955

    Staatsvertrag.

    Zehn Jahre nach Kriegsende und 17 Jahre nach dem „Anschluss“ erhielt Österreich seine Souveränität zurück. Damit wurde aber auch der Mythos des „ersten Opfers der Nationalsozialisten“ besiegelt, für viele Österreicher ein Anlass, die Teilverantwortung für die Judenverfolgung von sich zu weisen.

  29. 1970er

    Erstellung des „Hodik-Inventars“.

    Avshalom Hodik erstellte in den 1970er Jahren ein Findmittel der den Central Archives in Jerusalem (vormals General Archives) leihweise übergebenen Archivalien der Wiener Jüdischen Gemeinde sowie 1979 einen Abschlussbericht zum Archiv der IKG Wien. Dieses Findmittel umfasst 432 Seiten.

  30. Auffindung des Archivs im Keller des Stadttempels.

    1986 entdeckte der damalige Sicherheitsbeauftragte Ernst Meir Stern im Zuge von Renovierungsarbeiten im Keller unterhalb der Synagoge in der Seitenstettengasse „verschollenes“ Archivmaterial. Es wurde wegen der Umbauten außer Haus gebracht. Danach geriet es jedoch wieder in Vergessenheit.

  31. Wiederauffindung des Wiener Archivs in der Herklotzgasse.

    Auf Initiative des damaligen Präsidenten der IKG, Ariel Muzicant, und der Exekutivdirektorin des Präsidiums, Erika Jakubovits, wurde ab 1998 nach verbliebenen Archivalien gesucht. Im Jahr 2000 wurden umfassende Bestände (800 Kartons) in einem Haus der IKG in der Herklotzgasse in 1150 Wien gefunden.

  32. Gründung der Abteilung Archiv in der IKG Wien.

    Mehr als 70 Jahre nach der Auflösung durch die Nationalsozialisten wurde im Jänner 2009 das Archiv als eigene Abteilung der IKG Wien wieder begründet und damit dessen Bedeutung für die Kultusgemeinde unterstrichen.

  33. Archivsanierung.

    Die Räumlichkeiten des IKG-Archivs wurden einer grundlegenden Sanierung unterzogen. Entsprechend modernen Archivstandards wurden Brandschutz, Klimaanlage und Lüftung eingerichtet. Damit ist sichergestellt, dass das gesamte historische Aktenmaterial fachgerecht gelagert ist.

  34. 22. November 2016

    200-jähriges Jubiläum Archiv der IKG Wien.

    Zum 200-jährigen Jubiläum des Archivs fand erstmals ein Tag der offenen Tür statt. Die Zugänglichkeit zum Archiv für wissenschaftliche und private Forschung ist seither möglich. Eine Festschrift sowie eine Website wurden im Zuge der Feierlichkeiten vorgestellt.