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Rabbiner in Wien

Auf den folgenden Seiten werden Kurzbiographien zu einigen Rabbinern, die in Wien gewirkt haben, dargestellt: 

  • Samson Wertheimer 1658-1724
  • Isaak Noa Mannheimer, 1793-1865
  • Lazar Horowitz, 1800 (1803)-1868
  • Dr.Adolf Jellinek 1821-1893
  • Moritz Güdemann 1835-1918
  • Dr. Joseph Samuel Bloch 1850-1923
  • Dr. David Israel Taglicht 1862-1943
  • David Feuchtwang 1864-1936
  • Professor Zwi Peres Chajes 1876-1927
  • Dr. Max Grunwald 1879-1953
  • Alexander Kristianpoller 1884 -1942
  • Dr. Benjamin Murmelstein 1905-1989
  • Dr. Akiba (Bela) Eisenberg 1908-1983

Die Liste ist nicht vollständig und wird ständig erweitert.

 

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Wertheimer / Mannheimer / Horowitz

Samson Wertheimer 1658-1724
geboren in Worms, zog er 1684 nach Wien, wo er gemeinsam mit Samuel Oppenheimer Leopold I. finanziell unterstützte und nach Oppenheimers Tod zum Hoffaktor wurde. Zu Lebzeiten diente er drei deutschen Kaisern. Dennoch vernachlässigte er nicht seine rabbinischen Studien und besaß den Titel eines ungarischen Landesrabbiners. Wertheimer ordinierte als Rabbiner von Eisenstadt, da ab 1670 die jüdische Gemeinde in Wien nicht mehr zugelassen war. Im ehemaligen Wertheimer’schen Freihaus in Eisenstadt befindet sich seit 1972 das Österreichische Jüdische Museum. Seine Familie sollte bis ins 19. Jahrhundert den Geldhandel wesentlich prägen.

 

 

 

 

Isaak Noa Mannheimer, 1793-1865
wurde in Kopenhagen geboren und kam über Hamburg und Berlin 1824 nach Wien, zunächst offiziell als Leiter der israelitischen Religionsschule, später als anerkannter Prediger. Er galt als Vertreter eines reformierten Judentums, geprägt vom Geist Moses Mendelssohns, und modernisierte den Gottesdienst, ohne eine Spaltung der Wiener jüdischen Gemeinde in eine orthodoxe und eine liberale, wie sie in vielen anderen Städten der Fall war, zu verursachen. Er war es auch, der am 9. April 1826 den Stadttempel mit seiner Predigt einweihte. Mannheimer prägte maßgeblich den „Wiener Ritus“, auch „Mannheimer Ritus“ genannt, gemeinsam mit dem Chasan (Kantor) Salomon Sulzer. Dieser Ritus sieht unter anderem eine auf Deutsch vorgetragene Predigt vor, die Gebete wurden weiterhin auf Hebräisch gehalten. Der Wiener Ritus verbreitete sich bald auch in Böhmen, Ungarn und Teilen Deutschlands. Mannheimer übersetzte den Siddur 1840 ins Deutsche.

Lazar Horowitz, 1800 (1803)-1868

geboren in der Oberpfalz, studierte er zunächst in Pressburg und kam 1828 nach Wien, wo er bis 1868 als Oberrabbiner fungierte, zuerst allerdings unter dem Titel des Ritualienaufsehers. Es gelang ihm, gemeinsam mit Adolf Jellinek und Isaak Noa Mannheimer eine Brücke zwischen Orthodoxie und Reformjudentum zu bauen. Er setzte sich für eine Aufhebung des Judeneides ein und stand Heinrich Graetz bei seinem Prozeß, der sog. “Kompert Affaire” wegen angeblicher Häresie, bei.

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Jellinek / Güdemann / Bloch

Dr. Adolf Jellinek 1821-1893
wurde in Mähren geboren und studierte in Prag und Leipzig, wo er ab 1848 als Rabbiner amtierte. Er galt als liberal und war ein Vertreter der “historisch-positiven Schule”. Nach seiner Ankunft in Wien 1856 predigte er zunächst im Stadttempel, ab 1858 auch im Leopoldstädter Tempel. 1865 folgte er Isaak Noa Mannheimer als Rabbiner, später Oberrabbiner, des Stadttempels. Jellinek war berühmt für seine elaborierten Predigten, Kritiker bezeichneteten sie jedoch als inhaltsleer und kalt. 1863 gründete er in Wien das “Bet Hamidrasch”, eine Lehranstalt für Rabbiner.

Moritz Güdemann 1835-1918
geboren in Hildesheim, besuchte er die jüdische Volkschule und ein katholisches Gymnasium. In Breslau studierte er am neugegründeten Jüdisch-theologischen Seminar und wurde nach Beendigung des Studiums Rabbiner in Magdeburg. Ein Vertreter der Neo-Orthodoxie, wurde er 1866 nach Wien berufen, wo er zunächst als Prediger im Leopoldstädter Tempel und ab 1894, nach Adolf Jellineks Tod, als Oberrabbiner im Stadttempel ordinierte. Er verfasste zahlreiche Werke, darunter „Das jüdische Unterrichtswesen während der spanisch-arabischen Periode“, „Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur des abendländischen Judentums während des Mittelalters und der Neuzeit“ sowie „Das Judentum in seinen Grundzügen nach seiner geschichtlichen Grundlage dargestellt“. Er war ein Freund Theodor Herzls und unterstützte dessen Idee des Zionismus.

Dr. Joseph Samuel Bloch 1850-1923
geboren in Galizien, genoss er zunächst eine Rabbinerausbildung, bevor er in Magdeburg und Liegnitz seine Gymnasialausbildung nachholte. Anschließend studierte er an den Universitäten München und Zürich Philosophie. Er amtierte als Rabbiner unter anderem in Böhmen, danach in Floridsdorf. Bloch war von 1883 bis 1895 Mitglied des österreichischen Abgeordnetenhauses als Abgesandter der galizischen Bezirke Buczacz-Kolomea-Sniatyn und als Mitglied des Polenklubs und engagierte sich sehr in jüdischen Belangen. Der bekannte Antisemit August Rohling führte gegen ihn einen Prozeß, nachdem Bloch ihm in Bezug auf die Ritualmordlegende von Tiszaeszlar Fälschung und Meineid vorgeworfen hatte. Gemeinsam mit Moritz Güdemann gründete Bloch 1884 die Österreich-Israelitische Union, weiters war er Gründer, Herausgeber und Redakteur der Österreichischen Wochenschrift „Dr. Bloch's Wochenschrift“. Er galt als Anhänger des nationalen Judentums und der jüdischen Ansiedlung in Palästina, war jedoch ein Gegner von Theodor Herzls Politik und des politischen Zionismus‘.

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Taglicht / Feuchtwang / Chajes


Dr. David Israel Taglicht 1862-1943
Geboren in der Ukraine, Studium in Berlin an der Universität und am neoorthodoxen Rabbinerseminar, ab 1893 Rabbiner in Wien. Er unterrichtete an der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt (ITLA) von 1932 an Homiletik und predigte im Leopoldstädter Tempel. Auch nach der Ernennung zum Oberrabbiner des Stadttempels nach David Feuchtwangs Tod 1936 setzte er seine Unterrichtstätigkeit fort. Taglicht war auch wissenschaftlich tätig, gab unter anderem die „Nachlässe der Wiener Juden im 17. Und 18. Jahrhundert (1917, Fortsetzung 1936) heraus und arbeitete an Wachsteins Werk „Die hebräische Publizistik in Wien“ (1930) mit. Im März 1938 wurde er von den Nationalsozialisten gedemütigt und gequält. Mit Unterstützung aus dem Ausland gelang ihm später die Flucht nach England, wo er in Cambridge seine letzte Ruhestätte fand.

David Feuchtwang 1864-1936
Geboren in Mähren als Sohn des Landesrabbiners Meir Feuchtwang, kam er nach dem Besuch des orthodoxen Rabbinerseminars in Berlin als Gemeinderabbiner nach Wien Währing. Nach Zwi Peres Chajes‘ Tod folgte er ihm 1933 als Oberrabbiner an den Stadttempel. Feuchtwang galt als Anhänger des Zionismus und war ein Bekannter Theodor Herzls. Er publizierte Beiträge in „Monumenta Judaica” und der “Zeitschrift für Kunst und Kunstgeschichte” und war ausserdem des Hebräischen mächtig.

Professor Zwi Peres Chajes 1876-1927
Geboren in der Grenzstadt Brody, Galizien, als Sohn eines Rabbiners. Er besuchte sowohl eine Jeschiwa  als auch ein Gymnasium und studierte in Wien am Rabbinerseminar und dissertierte an der philosophischen Fakultät der Universität Wien. Er erhielt in Folge eine Professur an der Universität in Florenz und widmete sich der hebräischen Sprache. 1918 kam er als Oberrabbiner nach Wien zurück und gründete ein Jahr später das jüdische Realgymnasium. Weiters war er Mitglied des Kuratoriums der Hebräischen Universität in Jerusalem und zwischen 1921 und 1925 Präsident des Zionistischen Aktionskomitees. Nach Chajes‘ Tod im Jahr 1927 wurde das Realgymnasium nach ihm benannt und trägt seinen Namen bis heute.

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Grunwald / Kristianpoller / Murmelstein

Dr. Max Grunwald 1879-1953
Geboren in Oberschlesien, absolvierte er in Breslau ein Philosophiestudium und studierte gleichzeitig am Jüdisch-Theologischen Seminar. Er ordinierte einige Jahre als Rabbiner in Hamburg, wo er die "Gesellschaft für jüdische Volkskunde" und das Jüdische Museum gründete, bevor er 1903 nach Wien kam, zunächst als Rabbiner in der Synagoge in der  Turnergasse, 10 Jahre später im Leopoldstädter Tempel. Neben bzw. nach seiner Tätigkeit als Rabbiner verfasste er mehrere Bücher, darunter zwei Gebetsbücher sowie die Werke „Spinoza in Deutschland“  und „Samuel Oppenheimer und sein Kreis“.  Seine Frau war die Tochter von Dr. Joseph Samuel Bloch. Er wanderte 1938 nach kurzer Inhaftierung im Zuge des „Anschlusses“ nach Palästina (Jerusalem) aus, wo er Jahre später verstarb.

Alexander Kristianpoller 1884 -1942
In Galizien in eine Rabbinerfamilie hineingeboren, besuchte er ein deutschsprachiges Gymnasium. Nach Beendigung seines Studiums in Wien arbeitete er 1918 zunächst als Rabbinerassistent in Linz, nach seiner Rückkehr nach Wien ein Jahr später als Bibliothekar der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt (ITLA) und betreute in Folge die Liturgievorlesungen. Sein Hauptwerk „Traum und Traumdeutung im Talmud“ erschien 1922 in der Reihe „Monumenta Talmudica“ , weiters publizierte er diverse wissenschaftliche Artikel. 1938 konnte er als einziger Lehrer der ITLA nicht mehr rechtzeitig fliehen, wurde ins Ghetto Minsk deportiert und dort ermordet.

Dr. Benjamin Murmelstein 1905-1989
Geboren in Lemberg, nach der Übersiedlung nach Wien Studium der Philosophie und an der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt (ITLA). Ab 1931 war Murmelstein als Gemeinderabbiner in der Synagoge in der Kluckygasse („Brigittenauer Tempel“) in Wien tätig und arbeitete als Religionslehrer. Darüber hinaus war er Verfasser jüdisch-theologischer und geschichtswissenschaftlicher Publikationen und veröffentlichte Schriften, die gegen antijüdische Propaganda Stellung bezogen. Nach dem „Anschluss Österreichs arbeitete er in der Auswanderungsabteilung der jüdischen Gemeinde. 1943 wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er als „Judenältester“ fungierte. Nach Kriegsende war in die Auflösung des Lagers involviert und wurde wegen Verdacht auf Kollaboration mit den Nationalsozialsten festgenommen, jedoch davon freigesprochen. Dieser Vorwurf sollte ihn jedoch zeitlebens verfolgen. 1947 zog er nach Rom, blieb aber österreichischer Staatsbürger und publizierte über das Lager Theresienstadt.

Dr. Akiba (Bela) Eisenberg
Geboren in der Slowakei, aufgewachsen in Ungarn, erlangte er das Rabbinerdiplom und studierte nach Ablegung der Matura Philosophie und orientalische Sprachen in Budapest. 1947 wurde er Rabbiner in Gyor und übersiedelte ein Jahr später nach Wien, wo er zum ersten Oberrabbiner nach Ende des 2. Weltkriegs berufen wurde.